Die Zukunft von Adobe Flash – Die Rolle des Designers/Entwicklers
Adobe hat viel vor, denn der RIA-Markt ist zurzeit so stark umkämpft wie nie zuvor. Wie ist der Status quo der Flash-Technologie? Was bringt die neue Flash CS4 Version? Wie sieht die Renaissance der Technologie Flash aus und welche Rolle nimmt der Designer/Entwickler zukünftig ein?
Flash, das Animationstool?
„Du bist Flash-Entwickler? Äh, das ist doch mit Homepages und Animation und so…“
Mit dem Wort Flash verbinden viele, sogar routinierte Internetbenutzer und Anwendungsentwickler, immer noch unübersichtliche Microsites, bunte Flash-Banner, nervige kleine Spiele, Vollbild Pop-ups usw.
Obwohl Flash mit ActionScript 3 schon längst bei den Hochsprachen angekommen ist, wirkt die Technologie auch heute noch irgendwie gebranntmarkt mit dem Image des reinen Animationstools. Es wird sicherlich auch noch eine Weile dauern bis der letzte ergraute Internet-Benutzer begriffen hat, dass Flash mehr ist als das.
Beschäftigt man sich näher mit dem Thema Flash, so fällt auf das es viel mehr sein kann als nur das unscheinbare blinkende Banner. So taucht die Technologie in den unmöglichsten Tiefen des Internets auf. Man hört von „Flex GUI für SAP“, wie man „Web- und Desktop Anwendung aus einer Code-Basis“ (dank Flex und AIR) erzeugt, „Flash als Kontrolleinheit für die Hardware-Schnittstelle am PC“, „3D mit Flash mithilfe von Papervision 3D“ oder „Flash auf dem iPhone“.
Flash ist längst erwachsen geworden.
Ein Grund für den schlechten Ruf von Flash, sind mit Sicherheit die älteren Versionen von ActionScript die jedermann erlaubten ein wenig Code zusammen zu hacken und als „Flash-Film“ bereitzustellen. Die Designer wurden plötzlich auch zu Entwicklern. Manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg.
Status quo
Momentan sind sehr viele konkurrierende Frontend-Technologien auf dem Markt, was es sehr schwer macht den Überblick zu behalten. Wer zwei Wochen sein Internet abschaltet und danach wieder an den Rechner zurückkehrt, wird viel verpasst und ebensoviel nachzuholen haben.
Zurzeit ist Flash die führende Technologie auf dem RIA-Markt und daran wird sich auch in absehbarer Zeit nicht viel ändern. Wer momentan Flash entwickeln möchte, der nutzt entweder die Flash Entwicklungsumgebung oder den Flex Builder. Zwar kommen beide Produkte von der gleichen Firma, nämlich von Adobe, doch das Zusammenspiel klappt noch nicht wirklich reibungslos.
Der Begriff Flashentwickler lässt sich meiner Meinung nach ganz gut in vier Gruppen unterteilen:
Status quo – „Der Designer“
Eigentlich bediene ich mich sehr ungern an irgendwelchen Klischees. „Der Designer“ oder „Der Entwickler“ sind in Wirklichkeit die Überbegriffe für Gruppen, die so nie existiert haben. In diesem Beispiel ist mit „Der Designer“ jene Gruppe von Menschen gemeint, zur der sich Mediengestalter, Grafiker oder Bewegtbild-Animateure zählen dürfen.
Mit Software von Drittanbietern oder „Adobe-Boardmitteln“ setzen sie aufwendige Animationen, 3D-Effekte oder einfache Spiegelungen in Buttons um, um sie dann in Flash zu importieren und zu animieren.
Das Programmieren übernehmen Andere.
Status quo – „Der Keyframer“
Nach wie vor existiert die Spezies des „Keyframers“, jene Art von „Programmierer“, der in mühevoller Kleinarbeit ActionScript 1 und 2 Codeschnipsel in einzelnen Frames ablegt aber von OOP noch nie etwas gehört hat.
Zum Thema „Wartung der Anwendung“ stehen in der Dokumentation Nummern von Frames in denen bestimmter Code zu finden ist.
Status quo – „Der Funktionen-Freak“
Jeder fängt mal klein an: 13.500 Zeilen geballter ActionScript Code in einer externen ActionScript-Datei (250 kB mächtig), 189 einzelne undokumentierte Funktionen (in der OOP nennen wir es Methoden) und dazu 97 globale Variablen. Diese Ausführung lässt das Herz des „Funktionen-Freaks“ höher schlagen, denn er ist der Einzige der noch einigermaßen den Überblick behält und eventuell weiß an welcher Stelle im Dokument der Code für das Menü im Projekt steht und geändert werden kann.
Status quo – „Der OOP’ler“
OOP ist die Abkürzung für „Objektorientierte Programmierung“. OOP wird von jenen Menschen praktiziert, die entweder von einer anderen Programmiersprache, wie z.B. Java, zur Flash Technologie wechselten oder jene die zunächst in einer der zuvor genannten Gruppen starteten, sich dann aber mit OOP beschäftigten und diese für sich entdeckten.
Von Grafik und Co. hat dieser Eigenbrödler nur wenig Ahnung. Seine Welt sind „Private Methods“, „Interfaces“ und „Vererbung“.
Die Zukunft von Flash
Auch wenn diese Auflistung zugegeben etwas überspitzt klingen mag und ich mir viel Mühe damit gegeben habe jeder Gruppe etwas Komisches zu geben, wird sich doch der ein oder andere irgendwie einordnen können. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass durchaus eine Vermischung möglich ist
Wer über die Zukunft der Technologie Flash redet, muss sich zwangsweise auch mit vielen unterschiedlichen Typen von Entwicklern herumschlagen. Schließlich soll es für den „Designer“ genauso einfach sein wie für den „OOP’ler“ zukünftig Flash zu entwickeln. Alle Typen von Entwicklern sollten auf das gleiche Projekt mit unterschiedlichen Tools Zugriff haben.
XFL, Flash’s neues Datenformat, ist ein guter Schritt in diese Richtung. Was Silverlight schon ab Stunde Null kannte, soll nun endlich auch nach Jahren der Entwicklung für Flash Einzug halten. Auf jeden Fall würde das neue Format ermöglichen, sofern man auf FLA ganz verzichtet, dass Designer und Entwickler wirklich reibungslos zusammenarbeiten könnten. Dies ist meiner Meinung nach die bedeutendste Neuerung in Flash CS4.
Fazit
Ich denke, dass der „Designer“ es zukünftig schwerer haben wird die OOP in Flash zu erlernen und das wir in Zukunft, in der Flashentwicklung, eine striktere Trennung von „Designer“ und „Entwickler“ haben werden. Den „Keyframer“ oder „Funktions-Freak“ wird es zukünftig nicht mehr geben.
Meiner Ansicht nach ist Adobe auf dem richtigen Weg Flash für die Zukunft des RIA-Marktes vorzubereiten. Sofern man das proprietäre Format stärker öffnet (als nur mit XFL) und für eine bessere Integration von bestehenden Adobe Produkten sorgt, sollte Flash sich auch weiterhin als Marktführer auf dem RIA-Markt behaupten können.
Es gilt Altlasten wie Code in Frames, das Format FLA oder die Bibliothek über Board zu werfen um fit für die Zukunft zu sein.
Weiterführende Weblinks:



Am 25. März 2008 um 21:22 Uhr
Hallo Christian,
ich weiß nicht ob es auf deiner Seite war wo ich das gelesen habe aber Adobe hat auf der letzten großen Konferenz eine Beta Version eines neuen Produktes vorgestellt.
Dies ist ein Entwicklungstool für Designer.
Ich habe mir das ganze Video der Konferenz angeschaut und bin der Meinung das es der Designer in Zukunft noch leichter hat mit Flex/Flash/Air zurecht zukommen.
Sicher muss man sich schon ein wenig in der Programmierung auskennen aber alles in allem wird es den Designer leichter gemacht mit diesen Technologien umzugehen.
Ich sehe da auch eine kleine Bedrohung seitens Microsoft.
Microsoft wird Silverlight so entwickeln das wieder jeder mit klar kommt, dadurch werden sie viel zu lauf bekommen da sich dann jeder wieder Programmierer schimpfen kann und jeder denkt er ist ein Held.
Adobe wird auch schritte in die Grafische Oberflächen (”für nicht Programmierer”) gehen um nicht an Anteile zu verlieren.
z.b. hat Adobe mit der CS3 alle andere platt gemacht…weil es mittlerweile kinderleicht ist Fotos zu bearbeiten, Videos zu schneiden, Flyer zu setzen.
Mich stört es nicht das es einfacher geworden ist.
Mich stört es aber sehr das jeder der mal ne Webseite erstellt hat sich gleich Webentwickler nennt…jeder der mal ne Animation gemacht hat sich gleich Flashentwickler nennt…das ist arm.
Es gibt selbst Kunden die vor lauter “Designern und Entwicklern” nicht mehr das Professionelle vom Unprofessionellen entscheiden kann.
Nun ja…ich bin schon weit abgekommen…aber alles in allem hast du es auf dem Punkt getroffen!!!!
Gruß
Nick
Am 26. März 2008 um 07:25 Uhr
Hi Nick,
danke für dein ausführliches Feedback.
Das Tool das du meinst heißt Thermo, zu finden bei Adobe Labs. Die von Designern mit Thermo erstellten Applikationen, soll man zukünftig mit dem FlexBuilder bearbeiten können. Man darf gespannt sein
Grundsätzlich finde ich es eine gute Idee, dem “Designer” eine Art Mashup-Tool an die Hand zu geben mit dem er seine Layouts auf Usability prüfen kann. Aber nicht mehr.
Grüße Christian
Am 14. April 2008 um 20:58 Uhr
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